Warum ich Homöopath wurde...

Als ich in den 80er Jahren in der DDR mein Abitur machte, war ein Studienplatz für Tiermedizin so etwas wie ein Sechser im Lotto: es gab nur 2 Universitäten, die Tierärzte ausbildeten, jede nahm pro Jahr 85 StudentInnen auf, davon jeweils 15 aus „befreundeten Bruderländern“ (wie damals die sozialistisch geführten Staaten genannt wurden). Auf die 140 verbleibenden Studienplätze pro Jahrgang bewarben sich (trotz staatlicher Lenkung- es konnte sich damals nicht jede/r für alles bewerben) mehr als 2.000 Kandidaten. Ich konnte mir zu dieser Zeit für mich keinen anderen Beruf als den des Tierarztes ernsthaft vorstellen. Hatte ich doch seit meinem 13. Lebensjahr 2 Nachmittage pro Woche (die sich wegen des Andranges oft bis 22 Uhr ausdehnten) in einer Kleintierpraxis meiner Heimatstadt ausgeholfen. Ich hatte seither in allen Ferien Tierärzte auf dem Lande auf ihren Praxisfahrten begleitet oder die Mitarbeiterinnen besagter Kleintierpraxis in deren Urlaub vertreten. Ich hatte während meines Studiums und danach in alle denkbaren Gebiete der Tiermedizin „hineingerochen“: in einer Anlage mit 11.000 Zuchtschweinen (damals einer der größten der DDR), in einer Pferdepraxis auf dem Lande, im Zoo Leipzig unter dem damaligen Tierarzt und späteren Professor Eulenberger, in der einzigen Tierarztpraxis auf der walisischen Insel Anglesey während der Lammzeit, als pro Tag 20- 30 geburtshilfliche Eingriffe an Schafen zu unternehmen waren, in einer Notfallklinik für Hunde und einem Primatenforschungszentrum in Seattle/USA, ich organisierte einen Kurs für beschlaglose Huforthopädie (dies galt damals unter Tierärzten als unerhörte Ketzerei, bildete die Leipziger Fakultät doch Hufschmiede aus, um kranke Hufe speziell zu beschlagen) mit der bekannten Tübinger Tierärztin Dr. Strasser- es gab kaum etwas, was mich nicht interessierte…

Da ich auch wissenschaftlich interessiert war, begann ich seit meinem 3. Studienjahr an der Uni mit meinem späteren Doktorvater (dem heutigen Professor Seeger) vom veterinäratomischen Institut an einem Gemeinschaftsprojekt mit dem damaligen Paul-Flechsig-Institut (heute: Max-Planck-Institut) für Hirnforschung zu arbeiten. Diese Arbeit mündete 5 Jahre später in meine Promotionsschrift: einen stereotaktischen und topografischen Atlas vom Zwischenhirn des Miniaturschweines, der als Grundlage für die Arbeiten von Neurochirurgen gedacht war.

Ich bringe diese Aufzählung hier, um zu zeigen, daß es nicht an mangelndem Engagement meinerseits gelegen haben kann, wenn mich das, was ich erlebt und gelernt hatte, nicht zufriedenstellte und ich die Aussicht, die nächsten 40 Jahre so stereotyp zu behandeln, absolut nicht befriedigend fand. Am Ende meines Studiums hatte ich mehrere lukrative Angebote für Tierarztstellen, wo ich sofort hätte arbeiten können. Allerdings: nach 15 Jahren Tierarztpraxis, die ich bis zum Ende meines Studiums gesehen hatte, war mir die Lust vergangen. Ich hatte trotz politischer Wende, wirtschaftlicher Verbesserungen und wissenschaftlichen Fortschrittes keinerlei Alternativen zu den pauschalen Behandlungen der kranken Tiere kennengelernt, die ich schon mit 13 Jahren in der DDR- Kleintierpraxis gesehen hatte: Antibiotika, Hormone und Vitamine und wenn man das durchprobiert hatte und alles nicht half, gab es noch ein scharfes Skalpell, womit man das erkrankte Körperteil notfalls abschneiden konnte. Waren diese überschaubaren therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft, blieb nur die Notschlachtung bzw. bei Hunden und Katzen das Einschläfern, wenn man die Krankheit nicht heilen konnte…

Über die Nutzlosigkeit und Schädlichkeit des Impf- Verfahrens hatte ich inzwischen von führenden Kritikern wie Dr. Gerhard Buchwald, Ravi Roy und dem englischen Tierarzt Dr. Christopher Day (der als Homöopath, Akupunkteur und Chiropraktiker die Rennpferde der Königin betreute), aus erster Hand erfahren. Ravi Roy war auch einer der ersten Homöopathen, die ich kennenlernte, ebenso wie den Frankfurter Heilpraktiker Klaus Thon und den Berliner Arzt Manfred Tauscher. Bei ihnen allen belegte ich noch während meines Tiermedizin- Studiums Homöopathiekurse, anfangs nicht aus Begeisterung, sondern aus schierer Verzweiflung, weil ich mich mit den sehr beschränkten therapeutischen Möglichkeiten meiner Hochschulausbildung nicht abfinden mochte. Ich hatte am Ende meines Studiums für eine Woche bei einem homöopathisch arbeitenden Tierheilpraktiker, Klaus- Fritz Dörre in Wuppertal, hospitiert. Eine Mitstudentin, deren Pferd Klaus behandelt hatte, pflegte mir wahre Wunderdinge über dessen therapeutische Fähigkeiten zu berichten, so daß ich sie für eine Märchenerzählerin hielt. Da wir uns aber im Lauf der Zeit angefreundet hatten, lud mich diese Studentin ein, sie in ihrer Heimat zu besuchen und mir die homöopathische Praxis selbst anzusehen. Weder den Begriff „Tierheilpraktiker“ noch den Begriff „Homöopathie“ hatte ich je vorher gehört, ich war also ganz unvoreingenommen. Immerhin fand ich es interessant, daß der homöopathische Kollege in seiner Praxis Krankheiten geheilt hatte, von denen wir im Studium gelernt hatten, daß sie unheilbar seien. Die Heilungen wurden mir von den Besitzern der Tiere jeweils bestätigt, so daß ich keinerlei Zweifel hatte, daß die Berichte der Wahrheit entsprachen.

Noch während meiner Zeit als Assistent am Veterinäranatomischen Institut erhielt ich eines Tages, es muß etwa 1992 gewesen sein, einen Anruf aus der Kleintierklinik der Universität. Einige meiner Kommilitonen arbeiteten dort und wußten, daß ich mich mit Homöopathie beschäftigte. Sie baten mich, mir einen Hund anzusehen, bei dessen Behandlung sie an das Ende ihrer therapeutischen Möglichkeiten gekommen waren, und dem es nun, nach den Gepflogenheiten unserer Schule bevorstand, im Alter von nur einem Jahr eingeschläfert zu werden. Was sah ich? Einen großen, kräftigen Neufundländer, der unablässig mit dem Kopf schüttelte und dabei winselte. Die Kollegen erzählten, daß der Hund seit seiner Jugend an einer bakteriellen Entzündung beider Ohren leide, die mit keinem der bekannten Antibiotika zu stoppen war. Nach dem Ausprobieren aller Antibiotika hatte man in letzter Verzweiflung die Gehörgänge operativ erweitert- ohne Effekt. Wegen der Schmerzhaftigkeit der Entzündung ließ der Hund sich nicht mehr berühren- auch die Besitzerin wurde beim Versuch, die Ohren zu säubern, in die Hand gebissen (ein eigentlich für Neufundländer undenkbares Verhalten, die Rasse ist für außerordentliche Gutmütigkeit bekannt). Die Besitzerin, die das Tier aus dem Tierheim bekommen hatte, hatte mittlerweile mit mehr als 1.500 Mark Behandlungskosten ihre finanzielle Schmerzgrenze erreicht.

Ich versuchte also, die wenigen Symptome zu ermitteln, die aus 3 Meter Entfernung (näher ließ der schmerzgeplagte Hund niemand mehr an sich heran) zu erkennen waren:

  • Chronische Ohrentzündung mit grüner Absonderung, die wie alter Käse riecht (sogar auf die Entfernung!)

  • Äußerste Schmerzhaftigkeit, die zu Aggression führt

  • Berührung verschlimmert die Schmerzen

Mit diesen Informationen kehrte ich in mein Büro zurück und rief umgehend obengenannten Tierheilpraktiker an- hatte der mir doch in seiner Praxis vorgeführt, wie sich auch hartnäckige Infektionen ohne Antibiotika (die dürfen nur Tierärzte verordnen) heilen lassen. Offenbar genügten ihm die spärlichen Informationen, denn er riet mir, dem Tier Hepar sulfuris C 30, täglich einige Tropfen, zu verabreichen. Ich kaufte eine Packung Globuli in der damals noch existierenden Leipziger Centralapotheke und gab der Besitzerin des Hundes ein Fläschchen mit den aufgelösten Globuli und die Gebrauchsanweisung. Nach einer Woche solle sie sich wieder mit ihrem Hund in der Kleintierklinik einfinden.

Ich verhehle nicht, daß ich ebenso skeptisch war wie meine Kollegen und die Besitzerin des Hundes. Wie sollte ein Fläschchen, in dem kein Wirkstoff enthalten war, eine gegen alle Antibiotika resistente Kultur von Pseudomonas aeruginosa- einen der gefürchtetsten Bakterienstämme aller Zeiten- besiegen?

Zu unserem Erstaunen war das Tier nach einer Woche wesentlich zugänglicher. Es schüttelte kaum noch mit dem Kopf, die Besitzerin war sehr erleichtert, sie habe den Eindruck, ihrem Hund ginge es viel besser. Er knurrte allerdings noch, wenn ich versuchte, in seine Ohren hineinzusehen, und so beschlossen wir, die Behandlung eine weitere Woche lang fortzuführen. Danach war der Hund völlig wiederhergestellt. Meine Kollegen und ich durften nun in seinen Ohren hineinsehen: sie waren rosig, sauber und geruchlos, gerade so als sei da nie etwas gewesen. Der Neufundländer war rassetypisch freundlich und sanft und wie sich jeder denken kann, standen der Besitzerin Freudentränen in den Augen. Nach einem Jahr erfolgloser Therapien hatte sie ein Wunder erlebt. (Nebenbei bemerkt, hatte die Behandlung nur 7,50 Mark gekostet, ein Aspekt, der mir angesichts der sogenannten „Kostenexplosion im Gesundheitswesen“ bedenkenswert erscheint.) Nach diesem Schlüsselerlebnis trug ich alle meine verbliebenen Tiermedizin- Lehrbücher in ein Antiquariat und kaufte mir von dem Geld das Künzli- Repertorium und eine homöopathische Materia medica und beschloß, von nun an die richtige Medizin zu studieren.

Da zu dieser Zeit in Leipzig kaum jemand Interesse an homöopathischer Behandlung für sein Tier zu haben schien (die meisten Menschen konnten mit dem Begriff „Homöopathie“ ebensowenig anfangen wie ich einige Jahre zuvor), aber immer mehr Menschen von mir verlangten, ich solle sie doch homöopathisch behandeln, ließ ich mich 1995 als Heilpraktiker nieder. Seither erlebe ich täglich, wie die von der chemischen Medizin als „unheilbar“ deklarierten Krankheiten vergehen und Gesundheit wiederkehrt. Möglicherweise kann ich mit dieser Arbeit nicht so viel verdienen, als wenn ich tierärztliche Routinebehandlungen wie Impfungen vornehmen und Medikamente verkaufen würde. Dennoch habe ich die Entscheidung, zur Homöopathie zu wechseln, noch keinen Tag bereut.

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